"Chamäleon" - Phonetik-Atelier

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"Chamäleon"

Auszug aus dem Werkstattbuch
"Deutsch lernen mit Rhythmus"

Video "Chamäleon Kunterbunt" mit Begleitinstrumenten
ohne Begleitinstrumente


"Sprache ist Klang"
- Das Beispiel: "Chamäleon Kunterbunt"

An einem Beispiel möchte ich zeigen, wie man aus beliebigen Texten situative Übungsangebote
zur Phonetik gewinnen kann. Sie sind prinzipiell suprasegmental angelegt. Sie werden von den Lernenden nicht als Drill empfunden, weil sie in direktem Zusammenhang mit der laufenden Arbeit stehen und diese in neuer Mixtur vertiefen. Die Lernenden können an ihrer Erfindung mitwirken, sie abwandein und übertragen. Die Schulung der Fertigkeit Aussprache wird von Anfang an in andere Kompetenzen und Disziplinen eingebettet. Derartiges Übungsmaterial bezieht die natürliche Spielfreude ein und führt wie nebenbei zu einer Automatisierung neuer Artikulationsabläufe. Es trägt der Forderung Rechnung, dass im Mittelpunkt phonetischer Übungen die drei grundlegenden Klangmerkmale Melodie, Rhythmus und Akzentuierung stehen sollten.

Wenn ein Chamäleon Hunger hat, dann sitzt es mäuschenstill.
Es bewegt nicht den Schwanz. Es bewegt nicht den Kopf.
Es bewegt nur die Augen im Kopf;
von rechts nach links und von links nach rechts,
von oben nach unten und von unten nach oben.

Und sieht es eine Fliege, dann schnellt seine lange, klebrige Zunge heraus,
und schwupp!
ist die Fliege gefressen.

So lebt ein Chamäleon Tag für Tag und Jahr für Jahr.


An diesem Text mit dem originalen Zeilenumbruch aus „Chamäleon Kunterbunt" von Eric Carle möchte ich zeigen, wie sich aus einem Kinder-/Bilderbuch ein Abschnitt auswählen und so bearbeiten lässt, dass er
außer dem Zuhören und Bilder-Betrachten weitere Funktionen erfüllt:


• Eine Geschichte teilweise nacherzählen,
• sinnvolle Lexik lernen,
• rhythmisch gegliederter Text begünstigt die authentische Intonation,
• den Textinhalt gestisch und mimisch ausdrücken,
• Einheit von Handeln und Sprechen erleben,
• Gefühle ausdrücken.


So wird der (Vor-) Lesetext zu einer Sprechperformance. Das Auswendiglernen ist kein Selbstzweck mehr,
sondern Mittel und Endergebnis eines gestalterischen Prozesses
.
Ich gebe das Ergebnis der Textbearbeitung einer Seminargruppe aus Douai/Frankreich wieder. Der
Vergleich der beiden Textversionen enthüllt die Vorgehensweise.


Wenn ein Chamäleon Hunger hat,
dann sitzt es mäuschenstill;
bewegt nicht den Schwanz, bewegt nicht den Kopf.
|: Nur die Augen im Kopf :|
Von rechts nach links, von links nach rechts,
von oben nach unten, von unten nach oben.
Und sieht es eine Fliege — schwupp! ist sie weg.



Hinweis zur Realisierung:

Im Halbkreis stehend chorisch zu sprechen, etwas lauernd, daher nicht schnell; mit der passenden Mimik und Gestik. Die Sprechpausen erhöhen die Spannung. Die vierte Zeile kann wiederholt werden. Die fünfte und sechste Zeile kann man etwas schneller sprechen, aber leise und spannend. Bei „schwupp!" strecken alle gleichzeitig und in die gedachte Mitte ihre Hand aus und greifen sich die Fliege blitzschnell. Dann wird sie imaginär genüsslich verzehrt.

Das Sprechtempo bleibt unverändert, wenn die angebotene Rhythmusbegleitung mit ausgeführt wird. Die Instrumente spielen zwei oder vier Mal voraus. Das Tempo orientiert sich am gewählten Sprechtempo. Der stumme Satz "Ach da, und schwupp!" kann den Spielern helfen, den Rhythmus durchzuhalten.

Didaktisch geht es in einem derartigen Sprechstück in erster Linie um immer bessere Authentizität hinsichtlich Intonation und Artikulation sowie um suprasegmentale Geläufigkeit.

Eine Variante zur Erhöhung der Übefrequenz
ist die Hinzunahme eines oder mehrerer rhythmischer Begleitinstrumente. Rhythmische Begleitung kann als „Körpermusik" realisiert werden (klatschen, klopfen, stampfen, Fingerschnipsen, Effektlaute wie pfeifen, rufen); man kann ebenso Kleininstrumente einsetzen, die als „Kleines Schlagwerk" oder „Perkussionsinstrumente" bezeichnet werden. Sie stoßen bei jungen Lernern auf starkes Interesse.

In dem hier zu findenden Vorschlag wird die
rhythmische Begleitung als durchgehendes Grundmuster eingesetzt, das helfen soll den Sprechfluss in Gang zu setzen bzw. zu halten. Die Sprechpausen werden instrumental gefüllt und damit rhythmisch überbrückt. Die Instrumente sollten nicht den Sprechrhythmus mitspielen: Eine Verdoppelung des Sprechrhythmus' durch ein Instrument stört die Intonation mehr als dass sie sie unterstützt und wirkt eher kontraproduktiv.


 
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